Porträt Peter Ulrich

Porträt – Wer war der Baumeister Peter Ulrich?

Nur wenig ist über den Erbauer des stattlichen spätgotischen Bürgerhauses Am Markt 3 in Pirna bekannt, der als Kirchenbaumeister maßgeblich am Bau der spätgotischen Hallenkirchen St. Marien in Pirna und St. Annen in Annaberg beteiligt war.

In den Überlieferungen meist als Meister Peter von Pirna, Meister Peter Ulrich der Steinmetz und zu Beginn seiner Dresdner Tätigkeit als Peter von Heilbronn genannt, wird er vermutlich um 1440 in Heilbronn geboren. Erst in der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts tritt Peter Ulrich in Sachsen in Erscheinung, wohl von Arnold von Westfalen zusammen mit anderen schwäbischen Steinmetzen zum Bau der Meißner Albrechtsburg herangezogen. Sichere Belege für diese Lebensdaten gibt es jedoch nicht.

Als gesichert kann dagegen seine Berufung 1478 zum herzoglichen Werkmeister auf Lebenszeit durch Kurfürst Ernst und Herzog Albrecht gelten. In der Folgezeit nimmt er Bauaufgaben in Dresden war, erwirbt 1493 in Dresden das Bürgerrecht und bezieht ein eigenes Haus in der Vorstadt. Bereits im Jahre 1502 wird er als Kirchenbaumeister für den Neubau der Marienkirche nach Pirna berufen. 1503 taucht sein Name erstmals in einer Kämmereirechnung der Stadt auf, im Zusammenhang mit einer Steuerbefreiung, die auf Ulrichs Tätigkeit als Kirchenbaumeister hinweist.

Die Marienkirche in Pirna, Foto: Jan Sokol

Die Marienkirche in Pirna, Foto: Jan Sokol

Am 12. Juni 1503 kaufte er von Paul Nack für 100 meißnische Gulden ein offensichtlich baufälliges Haus in einer Zeile aus Krämerläden zwischen Markt und Kirche. Unstimmigkeiten hätten den Kauf fast verhindert und führten zu einer Verzögerung des Baubeginns bis Ende 1505. Ulrich wohnte in der Zwischenzeit bereits in Pirna zur Miete, erstellte die grundlegenden Pläne für die Umfassungsmauern und Gewölbe der spätgotischen Hallenkirche St. Marien, deren Bau er 1502/1503 begann und bis zu seinem Tode im Spätherbst 1513 oder Frühjahr 1514 leitete.

Nach dem Tode Konrad Pflügers übernahm er ab 1507/1508 außerdem den Bau der St. Annenkirche. Neben seiner Haupttätigkeit als Kirchenbaumeister in Pirna und Annaberg war Ulrich in seiner Stellung als Landesbaumeister immer wieder durch Herzog Georg mit verschiedenen Bauaufgaben betraut. So überwachte er 1509 – 1511 die Beseitigung von Eisschäden an der Dresdner Elbbrücke und plante 1512 die Sanierung von Rissschäden am Görlitzer Rathausturm.

Kirche St. Annen in Annaberg-Buchholz, Foto: Ma.y

Kirche St. Annen in Annaberg-Buchholz, Foto: Ma.y

Aus Archivalien seiner Pirnaer Zeit geht hervor, dass Peter Ulrich verheiratet aber kinderlos war und einen Bruder, Hans Ulrich, in Schwaben besaß. Seine Frau Dorothea starb 1513 kurz vor ihm.

Ulrichs große Kirchenbauten waren beide zu seinem Tode noch unvollendet. Baumeister Markus Ribisch übernahm 1514 – 1533 den Kirchbau in Pirna, der erst unter Wolf Blechschmidt 1546 fertig wurde. Von 1515 bis 1525 vollendete Jacob Haylmann aus Schweinfurt den Bau der Annenkirche.

Text von Dirk Böhme


Quellen

  • SPECK, Oskar, Meister Peter von Pirna. NAfsG, Bd. 21, Dresden 1900, S. 40–54
  • DONATH, Matthias, Ulrich, Peter (Peter von Heilbronn, Peter von Pirna), in: Sächsische Biografie, hrsg. vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde e. V., bearb. von Martina Schattkowsky, Online-Ausgabe bei ISGV e .V. hier.