Porträt Baumeisterhaus

Porträt – Deutschlands ältestes Baumeisterhaus

Das Peter-Ulrich-Haus in Pirna – Denkmalgerechte Sanierung und Umbau zum Domizil des Tom Pauls Theaters

Dauerausstellung im Peter-Ulrich-Haus Pirna –
Deutschlands ältestes Baumeisterhaus erzählt

Geschichte eines beispielhaften Wiederaufbaus

Am 1. März war es nach über einem Jahr Vorbereitungszeit endlich soweit: Die Ilse-Bähnert-Stiftung lud nach Pirna ein zur Ausstellungseröffnung. Erstmals wird nun in dieser Form die Geschichte des Peter-Ulrich-Hauses und dessen Wiederaufbaus erzählt. Bereits von außen, vom Untermarkt aus erlebt man mit der heutigen Fassade mit dunkelgrauem Rauputz, glatt geputzten Quadern und Faschen sowie roten Fenstergewänden die rekonstruiert Gestaltung um 1550.

Im Zentrum der Ausstellung in den Innenräumen steht das Leben und Wirken des großen Baumeisters der Spätgotik, Peter Ulrich.

Historische Ansichten des Peter-Ulrich-Hauses am Markt

Die originale Fassade Peter Ulrichs

Das Baudenkmal macht heute die wertvolle Arbeit dieses deutschen Baumeisters erlebbar. Die Fassade am Markt, ein spätgotisches Meisterwerk, ist bis auf die Ladeneingänge und die frühere Dachform original erhalten. An den beiden anderen Fassaden erkennen wir Spuren Ulrichs im Erdgeschoss sowie im ersten und zweiten Obergeschoss (siehe das Blau in der Skizze).

Baualtersplan der Fassaden

Baualtersplan der Fassaden

Gezeigt werden Ergebnisse der Bauforschung im Peter Ulrich-Haus

Der Bauforscher Dirk Böhme untersuchte das Peter-Ulrich-Haus. Er wertete Archivalien, historische Pläne und Abbildungen aus, nahm kon­struktive Details auf und dokumentierte den Ist-Zustandes des Gebäudes. Damit sammelte er alle individuellen Merkmale und deren Zuordnung zum Ursprungsbau, zu Um- und Anbauten, Sanierungen und verschiedenen Nutzungen.

Ähnlich wie Archäologen untersuchte der Bauforscher die zeitlichen Schichten des Ulrich-Hauses. Er erfasste die sta­tisch-konstruktive Grundstruktur, untersuchte das Mauerwerk, die Holzkonstruktionen, verglich verwendete Setzmörtel, Putze und Farbfassungen, was die Einordnung von Wänden, Decken, Fußböden, Fenstern, Türen, Ausstattungen und Gestaltungen in einzelne Bauphasen ermöglichte. Sämt­liche Daten wurden in komplexen Raumbüchern und Baualtersplänen zusammengestellt. Deren Bewertung mündete in die Restaurierungs- und Sanierungskonzeption.

links: Dachstuhl Hofseite von 1550 vor Beginn der Dachsanierung rechts: Fünffach gestaffeltes Kiel­bogenportal Peter Ulrichs um 1506

links: Dachstuhl Hofseite von 1550 vor Beginn der Dachsanierung
rechts: Fünffach gestaffeltes Kiel­bogenportal Peter Ulrichs um 1506

Der Festsaal-Fund

Im Peter-Ulrich-Haus fand der Bauforscher 1999 den Festsaal im 2. Ober­geschoss. Durch die dendrochrono­logische Datierung der Holzkonstruktionen kam er zu der Erkenntnis, dass die Decken im Erdgeschoss und 1. Obergeschoss noch der Bauphase Ulrichs um 1505–1508 zuzuordnen sind. Dies war später der Ausgangspunkt für die Planungen zum Bau eines Theatersaals und zur Rückführung wesentlicher Raumstrukturen des 1. Obergeschoss in den bauzeitlichen Zustand um 1508, unter Beibehaltung jüngerer Trennwände, die die Lesbarkeit dieser Strukturen nicht beeinträchtigten.

Wesentliche Details späterer Umbauten, wie etwa die nachträglich veränderten Schwarzküchen oder die Ausmalung eines Raumes um 1771 wurden dabei erhalten. Vertiefende und baubegleitende Untersuchungen ermöglichten eine Rekonstruktion der Innenräume zur Zeit Ulrichs.

Vorher-Nachher-Ansichten der Sanierung –
vom Keller bis zum Dachgeschoss

Ein Haus erzählt

Die Ausstellung erstreckt sich mit zahlreichen Reproduktionen, Bild- und Texttafeln über drei Etagen. Anhand von Beispielen aus der zeitgnössischen Kunst wird die damalige Wohnatmosphäre erlebbar. Wertvolle Funde aus dem Haus, u. a. neun böhmische Ofenkacheln mit Goldglimmer, werden in Vitrinen präsentiert. Der Bauforscher Dirk Böhme berichtet in Text und Bild über seine Abeit an diesem Baudenkmal.

Auch den vielfältigen Nutzungsformen und Bewohnern des Hauses über die Jahrhundert wird Aufmerksamkeit gewidmet. Ein kleiner Raum, der später für Wechselausstellungen zur Verfügung stehen wird, zeigt Impressionen aus der Sanierungsphase. Die Gestaltung der Ausstellung hält sich dezent zurück und fügt sich harmonisch in die liebevoll sanierten Räume ein – das Gebäude bleibt der Hauptdarsteller.

Für Theaterbesucher oder per Führung

Die Ausstellung ist geöffnet für Besucher der Theater­vor­stellungen und im Rahmen von Führungen.

Impressum

Eine Ausstellung der Ilse-Bähnert-Stiftung

Mit freundlicher Unterstützung durch